Zu Pfingsten 2026 haben wir die Einladung der Gemeinde Niedernhausen zum Partnerschaftstreffen in Wilrijk angenommen. Zusammen mit anderen Vertretern örtlicher Vereine hat uns Martin, unser freundlicher Busfahrer, in seinem bequemen Reisebus auf die angenehm entspannte Tour nach Belgien in unsere Partnergemeinde kutschiert. Für Jutta war es ein besonderes Erlebnis, mal als Mitfahrerin die vorbeigleitende Landschaft aus exponierter Sicht betrachten zu können und nicht selbst fahren zu müssen.
Frisch herausgeputzt chauffiert uns Martin zusammen mit Teilnehmern aus Ilfeld, der weiteren Partnergemeinde aus Thüringen, zum festlichen Empfang im Distrikthaus. Im Saal versammelte sich bereits eine große Anzahl von Gastgebern und Gästen aus den anderen beiden Partnergemeinden.
Der Districtburgemeester Kristof Bossuyt begrüßt uns zweisprachig. In seiner Begrüßungsrede hebt er die Wichtigkeit solcher Partnerschaften auf unterer kommunaler Ebene hervor. Das freundschaftliche Zusammenkommen unterschiedlicher und länderübergreifender Städte und Gemeinden festigt die Idee eines vereinten Europas. Die Erwiderungen unseres Gastredners und der Vertreterin aus Ilfeld nahmen diesen Gedanken mit Beispielen aus der langjährigen Verbindung auf.
Vor elf Jahren waren wir schon einmal zu einem Treffen in Wilrijk. Damals folgte der Einladung der Königlichen Lucas Gilde, einer Vereinigung von Malern, die Künstlergruppe Form-Bild-Farbe aus Niedernhausen, der Jutta angehörte. Jetzt konnte sie im Namen unserer Gemeinde ihr damaliges fotografisches Motiv des Antwerpener Bahnhofs als Gastgeschenk überreichen.
Zum gemeinsamen Dinner gingen wir zu Fuß in ein Restaurant in der Nähe. Bunt gemischt sitzen Gastgeber und Gäste an den runden Tischen. Erfreulicherweise konnten lockere Unterhaltungen durch die häufige Zweisprachigkeit unserer Gastgeber geführt werden. Zu unseren Getränkbestellungen führte kein Weg an den beiden Damen vorbei. Ein interessanter Abend ging mit einem köstlichen Getränk zu Ende.
Wir liefen zurück und warteten auf Martin, der uns zurück zum Hotel fuhr.
Am nächsten Morgen war die historische Stadt Mechelen unser Ziel. Vor Erreichen des Groote Markt durchschritt ich eine imposante Kolonnade. Auf der anderen Seite strahlen im hellen Morgenlicht pittoreske Giebel. Im Hintergrund überragt der Turm der St. Rombouts Kathedrale die Dächer der Häuser. Margarete von Österreich blickt von ihrem Sockel auf uns herab. In lockerer Formation gelangen wir über eine breite Straße zum Fluss Dijle.
Zwischen dem historischen Vismarkt und der Haverwerf warten Boote auf uns. Zuerst fahren wir flussabwärts in Richtung Schelde, der direkten Verbindung zur Nordsee. Vor der Schleuse drehen wir um. Am gegenüberliegenden Ufer residiert ein feudales Hotel in historischem Gebäude. Früher wurde dort das Entgelt von den ankommenden Schiffen kassiert.
Unter Brücken hindurch begegnet uns ein weiteres Boot mit unseren Gastgebern und Gästen. Luxuriöse Yachten, alte Häuser und noch ältere Brücken sind auf unserem Weg flussaufwärts zu bewundern. Das Elektroboot gleitet leise bis vor die nächste Schleuse. In sattem Grün leuchtet das Naturschutzgebiet De Nekker – Mechels Broek. Auf der Rückfahrt zum Kai betrachten die blauen Entchen die Brücken und Häuser von der anderen Seite.
Von der beeindruckenden Bootstour und dem sonnig warmen Wetter sind wir fast geplättet. Ein Sprung ins kühle Nass könnte durchaus helfen.
Bis zum nächsten Programmpunkt können wir unsere individuellen Eindrücke von der Altstadt von Mechelen sammeln. Die Fassaden der alten Häuser und die Spiegelungen durch die Brücken vermitteln den besonderen Charme des Viertels. Der Großvater von Ludwig van Beethoven stammte aus Mechelen. Die Büste seines Enkels steht auf der Seite der Haverwerf am Kai der Dijle.
Auf unserem Weg zurück ins Zentrum passieren wir interessante Häuserfronten. Der Turm der gotischen Kathedrale kontrastiert zu den unterschiedlichen Stilen der Wohnhäuser. Zurück am Grote Markt gehen wir vorbei an der Statthalterin der habsburgischen Niederlande zur Kathedrale. Das hohe Kirchenschiff und die bunten Kirchenfenster sind von beeindruckender Schönheit.
Von so vielen unterschiedlichen Impressionen können die Sinne verschwimmen.
Zum nächsten wieder gemeinsamen Erlebnis müssen wir zur Brauerei pilgern. In der Brauerei Het Anker werden wir festmachen. Vorher geht es in den alten Gebäuden viele Stufen hinauf. Vom Dach ist ein herrlicher Ausblick über die Stadt zu genießen. Stufen führen auch wieder hinunter.
Die Braukunst und das Besondere an belgischem Bier werden uns anschaulich vermittelt. Belgisches Bier darf Zutaten enthalten, die den Geschmack und den Alkoholgehalt beeinflussen. Hier gelangt der selbst destillierte Whisky in das berauschende Getränk.
Riesige Behälter aus Kupfer, schrankgroße Filter und eine geheimnisvolle Messingbox mit zwei Glaskugeln muss das Gebräu durchlaufen, bis es in die Flaschen abgefüllt wird. Der Whisky lagert bis zu zehn Jahre in Holzfässern in vergitterten Kellern.
Nach so viel Anstrengung mundet das köstliche Gouden Carolus.
Zum Abschluss unserer Reise besuchen wir das Koninklijk Museum voor Schone Kunsten in Antwerpen (KMSKA). Unsere Exkursion begleitet eine sympathische und kenntnisreiche Museumspädagogin mit anschaulichen Erläuterungen. Vorwiegend die Alten Meister, hier insbesondere Rubens und van Eyck, konnte sie uns erschließen.
Den mehrstündigen Rundgang beendeten wir in dem neuen Trakt mit moderner Kunst. Welch ein Kontrast: hier die detailgetreue überquellend bunte Darstellung, dort die klare Wiedergabe des künstlerischen Ausdrucks.
Mit Martin am Steuer haben wir die entspannende Rückfahrt genießen können.