Bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel laufe ich am Strand von Spiekeroog entlang und beobachte das Spiel der Wellen. Kurz vor dem Erreichen des Strandes kippen die Wellen mit kleinen weißen Kronen vornüber. Bei Niedrigwasser gleiten auf den auslaufenden Wellen Schaumpflocken an den Spülsaum. Langsam fließt das Wasser zurück. Meine Gedanken wechseln von den Muscheln im Sand zu der offenen Nordsee und weiter zu fernen Gestaden.
Jutta macht mich auf eine Gruppe von Reitern aufmerksam. In langer Reihe kommen uns die kleinen Pferde entgegen. Diese Gelegenheit will ich mir nicht entgehen lassen. Nahe an dem zu erwartenden Begegnungspunkt bleibe ich stehen und fixiere meine interessanten Fotomotive. Die Reiterinnen kommen näher auf mich zu. Konzentriert führen sie ihre struppigen Islandponys an mir vorbei. Einige der angeregt plaudernden Reiterinnen fotografiere ich, während sie dicht an mir vorbeireiten.
Hinter uns nähert sich die Gruppe dem Wasser und reitet nach Osten in Richtung Wangerooge. Die Hufe der Pferde markieren ihren Weg. Am Horizont münden die Spuren in kleiner werdende braune Punkte. Wir gehen in die andere Richtung weiter.
Bildergalerie Spiekeroog – Pferde am Strand 1
Das benachbarte Langeoog im Blick, entdecke ich plötzlich einen Gegenstand unten am Strand. Im flirrenden Gegenlicht ist nicht sofort zu erkennen, um was es sich handelt. Welches Strandgut werden wir, Jutta und ich, gleich betrachten können?
Beim Näherkommen erkennen wir eine junge Kegelrobbe. Lang ausgestreckt liegt sie in der Sonne und schläft. Sie liegt weit genug weg von Wasser auf dem trockenen Strand. Ich kenne das, um die Mittagszeit mache ich auch häufig Augenpflege, wie meine Enkelin sagt.
Wir gehen etwas näher heran, um zu sehen, ob das Tier verletzt ist oder Hilfe benötigt. Jutta ruft die Seehund-Rettungsstation an. Dort ist das Tier bereits gemeldet. Es handele sich um ein Jungtier, welches sich offensichtlich nur ausruhen will. Wir bewegen uns auf ausreichenden Abstand zurück. Die Robbe wacht auf, wendet kurz den Kopf zu uns, räkelt sich graziös und schläft weiter.
Dreh dich um, schau zurück und du erkennst neue Motive. Juttas einfache Empfehlung hat sich wieder wirkungsvoll bestätigt.
Von weit hinten kommen sie wieder zurück. Langsam nähern sich die Islandpferde mit ihren Reiterinnen. Die Gruppe passiert ihre Hufspuren vom Vormittag und reitet direkt auf mich zu. Ich wechsele meinen Standort, gehe in Richtung der Dünen, um die Sonne im Rücken und dadurch eine bessere Position zum Fotografieren zu haben. So können die Gesichter besser abgebildet werden. Störende Verschattungen sind geringer.
Die beiden ersten Reiterinnen strahlen mit der Sonne um die Wette. Die jüngere der beiden kommt direkt auf mich zu geritten und spricht mich an. Es wäre doch schön, wenn alle Reiterinnen mal die Bilder von sich sehen könnten, meint sie. Ob es eine Möglichkeit gäbe, die Ergebnisse der ihr professionell erscheinenden Kamera zu erhalten, fragt sie.
Leicht geschmeichelt stimme ich zu und verspreche, meine Fotos ihr zu übermitteln. Neugierig beschnüffelt ihr Pferd meine hochgereckte Hand mit meiner ihr gereichten Visitenkarte. Gerne nutze ich die Gelegenheit und lichte mehrere der Reiterinnen ab.
Plaudernd und locker im Sattel sitzend oder stilsicher in aufrechter Haltung kann ich die defilierenden Reiterinnen aufnehmen. Dann ziehen sie vorüber zum westlichen Ende der Insel und lassen einen zufriedenen Fotografen zurück.
Später von zuhause werde ich meine nette Gesprächspartnerin kontaktieren und mein Versprechen einlösen.
Bildergalerie Spiekeroog – Pferde am Strand 2
Vielleicht war der historische Pferdestall ihr Ziel. Bei unserem letzten Besuch auf der Insel haben wir ihn uns auch von innen angeschaut. Diesmal gehen wir vorüber. Etwas weiter treffen wir auf die Islandponys an ihrem Futterplatz.
Einige laufen noch herum oder fressen das Heu aus den Raufen. Ein paar andere sind offensichtlich schon gesättigt. Mit dem Hinterteil gegen den Wind schlafen sie im Stehen. Der Fasan schaut aus dem Hintergrund zu, wie der Wind Muster in den Schweifansatz und die Mähnen der Pferde bläst. Im Schlaf haben die Ponys ihre Augen nur halb geschlossen.
Bildergalerie Spiekeroog – Pferde am Strand 3
Am nächsten Tag sind wir unterwegs zum westlichen Ende der Insel. Wir wollen in Richtung zum alten Anleger gehen. Vielleicht können wir am Rande des Schutzgebietes einige Vögel beobachten.
Jetzt gilt unsere Aufmerksamkeit einem Gezeitentümpel, den wir umrunden müssen. Queren geht nicht mehr, das Wasser ist zu tief. Auf der Suche nach einer geeigneten Stelle blicke ich zurück.
Aus den Dünen ist eine Reitergruppe auf den wohlbekannten kleinen Pferden aufgetaucht. Sie sind zu weit weg, um sie zu erkennen. So zeichne ich nur ihren Weg hinunter zum Strand nach.
Ein Wasserhindernis haben wir hinter uns gelassen. Das nächste versperrt uns den Weg hinauf zu den steinernen Wellenbrechern. Der fast knietiefe Priel schlängelt sich im Bogen zwischen den beiden Dämmen und ist zu breit zum Hinüberspringen. Jutta löst das Problem auf einfache Weise, so unkompliziert wie letztes Jahr auf Norderney. Sie zieht Schuhe und Strümpfe aus und durchwatet das kalte Wasser.
Ich suche mir eine enge Stelle mit einem im Wasser vorgelagerten Stein, um leichter hinüberhüpfen zu können. Durch den Druck beim Abspringen versinkt mein rechter Fuß im Schlick. Der nasse Sand zieht mir den Schuh halb aus und füllt ihn auf mit kaltem Salzwasser.
Oben an den Dünen angekommen verschnaufen wir. Eine Reiterin kommt den Wellenbrecher heraufgeritten. Vorsichtig tastet sich ihr Pferd die glatten Basaltsteine empor. Die beiden queren den grauen Steinwall und reiten auf der Uferbefestigung weiter.
Für sie ist es einfacher, den Priel zu überwinden. Unten am Strand kann die Amazone sich die gegenläufig ankommenden Wellen anschauen.